Denke dir
Du träumst den Traum
den du schon verloren glaubtest
Du selbst verbanntest ihn
aus deinem dumpfen Schlaf
fürchtend
dies scheidende Erwachen
das wie gesetzhaft solchem Traume folgte
am Ende nicht mehr duchzustehn
Doch läßt ein Traum sich nicht befehlen
noch kennt er die Vernunft
Gefiel es auch dem Schläfer nicht
er muß notwendig weiterweben
im Schrankenlosen Geist der Phantasie
Des Träumers Lebensnerv bewahren
Der Traum ist sehr genügsam
Nährt sich von dem kleinsten Korn
Ob man es achtlos ausgestreut?
Grausam wär dies brennende Spiel
Wer die innern Bilder hegt
hat Gewalt dich in das Nichts zu stoßen
Wenigen ist es gegeben
Deinen Traum zu deuten
Menschen aber zu vertrauen
ja, das ist ein großes Wagnis
läßt sich nicht in Bahnen lenken
ist dem Wollen fast entzogen
Du handelst wie dein Herz dir heißt
Mußt tun nach deinem Frühlingsbild
das niemand noch vermocht dir auszulöschen
Sei es auch tödlich
wider Willen
Natur läuft ihre Bahn
Dank dem der die Träume schenkt
Leben ihnen einzuhauchen
liegt wohl nicht in unserer Hand
Gründonnerstag '92
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